Wie stehst du eigentlich zum Thema Finanzen? Und kennst du das: „Ich würde ja gerne mehr Reisen, aber…“, „ich würde ja gerne Stunden reduzieren, um mein Leben selbst zu gestalten, aber…“, „ich würde ja gerne XY, aber…“  – und hinter dem „aber“ steht oft der Zusatz, dass es finanziell nicht hinhaut. Generell möchtest du dich am liebsten garnicht mit dem Thema Finanzen auseinandersetzen, denn der Blick aufs Konto ist nur selten eine Freude.

Heute und die nächsten 2 Wochen gebe ich den Stift (oder die Tastatur) daher weiter an die Nordlicht Familie. Im Interview letzte Woche durftet ihr Ragna und Michi mit ihren Kindern Thalea und Thore schon kennenlernen. Heute verraten die beiden exklusiv auf meinem Blog, wie sie ihre Finanzplanung seit Jahren erfolgreich und eigentlich ganz simpel durchführen.

Denn wenn die beiden eins wissen, dann dass eine gute Finanzplanung dir mehr Freiheiten in vielen anderen Bereichen geben kann. Ob im Alltag, oder auf Reisen.

Finanzen im Blick Nordlicht Familie

Behalte deine Finanzen mit einem Finanzplan immer im Blick

Und nun übergebe ich das Wort an Ragna und Michi:

Warum reisen wir überhaupt?

Wir sind schon immer gern gereist. Seit einiger Zeit ist uns das Reisen – verbunden mit außergewöhnlichen Abenteuern – sogar noch wichtiger geworden. Und zwar nicht nur, weil wir mehr von der Welt sehen wollen. Auf Reisen konzentrieren wir uns auf die wichtigen Dinge des Lebens – auf uns als Paar oder Familie und auf unsere Bedürfnisse.

Zu Hause gibt es immer noch etwas zu tun. Wir sind scheinbar nie „fertig“. Es ist noch etwas zu putzen, noch etwas an der Terrasse zu verschönern etc. – erst weg von zu Hause lassen wir dieses „Beschäftigtsein“ hinter uns.

Wenn wir da draußen sind und uns neuen Herausforderungen stellen, fällt es uns leichter, jeden Moment bewusst zu erleben und zu genießen. Um mehr qualitativ hochwertige gemeinsame Zeit zu verbringen, haben wir Ende letzten Jahres entschieden, häufiger kurze Trips zu unternehmen.

Zunächst nahmen wir uns die nähere Umgebung vor. So ist das Ziel innerhalb weniger Stunden (oder auch nur 30 Minuten) erreicht und wir sind raus aus dem Alltag. Wir hielten das für absolut lohnenswert und zu dem Zeitpunkt auch notwendig. Innerhalb von drei Monaten wollten wir fünfmal für zwei bis vier Tage eine kleine Auszeit nehmen.

Wir haben beide Vollzeit gearbeitet. Reisen trotz Vollzeitjob – an sich ja kein Problem, dachten wir. Wir können Wochenenden für Kurztrips nutzen und wenn wir dann noch Feier- und Brückentage geschickt planen, können wir sogar noch mehr aus unseren verbleibenden Urlaubstagen rausholen.

Wir haben uns voller Euphorie in die Planung gestürzt und dann festgestellt: auch Kurztrips kosten eine Meeeeenge Geld. Zum Teil sogar fast so viel wie eine ganze Woche.

Zeit als Paar Nordlicht Familie

Auf Reisen konzentrieren sich Ragne und Michi auf ihre Bedürfnisse

Eine fitte Finanzplanung ist das A & O

Was tun? Günstigere Angebote finden, weniger Trips planen oder vielleicht ganz die Finger von unserem Vorhaben lassen? Für uns war die Frage recht einfach beantwortet: Als erstes müssen wir den Finanzplan checken und an den notwendigen Stellschrauben drehen.

Nur durch eine konkrete Übersicht über unsere Finanzen konnten wir genau diese Auszeiten, die wir unbedingt wollten, möglich machen. Wir haben es tatsächlich geschafft, in diesen drei Monaten alle fünf Kurzreisen zu realisieren. Freunde und Bekannte fragen uns deshalb recht häufig, wie wir unsere Finanzen regeln und wie unser Finanzplan aufgebaut ist.

Wir möchten dir mit unserem Gastbeitrag hier auf dem Blog einen exklusiven Einblick in unsere „Finanzstrategie“ geben. Damit bekommst du von uns ein Hilfsmittel an die Hand, das wir selbst erprobt haben und was für uns (und bestimmt auch für dich) absolut super funktioniert.

Du möchtest mehr Reisen, denkst aber, dass du das Geld dafür nicht „rumliegen“ hast?

Dann ist unser erster Tipp in Punkto Finanzen für dich: Erstelle dir einen ganz einfachen, aber hieb- und stichfesten Finanzplan. Du erkennst immer sofort, was du hast, was du nicht hast, und woran du vielleicht „drehen“ kannst, um (mehr) Geld fürs Reisen locker zu machen.

Geld locker machen Nordlicht Familie Finanzen und Finanzplan

In 7 Schritten zu deinem Finanzplan

Finanzplan Schritt 1: Schreibe auf, wie hoch dein monatliches Nettoeinkommen ist

Als „netto“ gilt dein Einkommen nach Abzug von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen (wie Kranken-, Renten-, Arbeitslosenversicherung etc.). In der Regel führt der Arbeitgeber solche Beiträge direkt ab, sodass du dieses Geld (außer auf deinem Lohnschein oder deiner Gehaltsabrechnung) gar nicht zu Gesicht bekommst.

Schreibe also auf (am besten legst du direkt eine Excel Tabelle an), was jeden Monat nach Abzügen tatsächlich auf deinem Konto eingeht. Jetzt hast du eine feste Größe für deinen Finanzplan. Klingt einfach – ist es auch! (Übrigens: Bei Provisionsgebundenheit oder variablen Verdiensten durch Schicht- und Wochenendarbeit o.ä. schreibe einfach dein Mindestnettoeinkommen auf.)

Für unsere Beispielrechnung nehmen wir ein Nettoeinkommen in Höhe von 1.300,- Euro an.

Finanzplan Schritt 2: Liste all deine Fixkosten auf

Gemeint sind Kosten, die regelmäßig und in gleichbleibender Höhe von dir zu bezahlen sind bzw. von deinem Konto per sog. Lastschriftverfahren eingezogen werden. Dazu gehören also alle wiederkehrenden fixen Beträge, wie z.B. Miete, Versicherungsbeiträge aller Art, KfZ‑Steuern, Jahresabos (Nahverkehr, Zeitschriften etc.), Raten eines aufgenommenen Kredites, GEZ, Telefon- und Internetkosten, Kinderbetreuungskosten usw. – wirklich ALLES. Es ist ganz besonders wichtig, dass du hier nichts vergisst.

Finanzplan Schritt 3: Vermerke dir zu jeder Ausgabe, wie häufig diese anfällt

Schreib also auf, ob sie z.B. monatlich, viertel-, halbjährlich oder nur einmal im Jahr anfällt. Diese Informationen findest du u.a. in Verträgen, Kontoauszügen oder Rechnungen.

Finzanzen Planen Ragna Nordlicht Familie

Finanzplan Schritt 4: Brich jede deiner fixen Kosten runter auf einen Monatsbetrag

Du musst wirklich kein Genie sein. Deine Mathematik-Kenntnisse aus der Grundschule reichen völlig aus. Für Kosten, die ohnehin monatlich anfallen (z.B. Miete), ist dies sehr simpel. Du schreibst einfach den monatlichen Betrag auf.

Kosten, die z.B. nur einmal im Jahr anfallen, rechnest du durch 12 (Monate). Schon hast du einen monatlich zu zahlenden Betrag daraus gemacht. Entsprechend rechnest du bei Kosten, die alle drei Monate anfallen, durch drei usw. – notiere dir alle Monatsbeträge.

Unser Geheimtipp zu Schritt 4: Da häufig krumme Beträge rauskommen, runde einfach jeden einzelnen monatlichen Betrag entsprechend deiner Möglichkeiten auf volle 5,- oder 10,- Euro auf. Unter Schritt 6 liest du, warum das sinnvoll für dich sein kann.

Finanzplan Schritt 5: Addiere die einzelnen Monatsbeträge zu einem Gesamtbetrag auf

(Addieren = plus rechnen 😉) Die Summe der einzelnen Monatsbeträge ist entscheidend. So viel Geld benötigst du jeden Monat, um tatsächlich alle anfallenden Fixkosten zu decken.

Im Folgenden ein stark vereinfachtes Beispiel für deine Auflistung:

PositionRhythmusBetrag in EURMonatlicher Betrag
Gesamt780,-
MieteMonatlich750,-750,-
KFZ VersicherungJährlich360,-30,-
......
In unserem Beispiel hast du monatliche „Fixkosten“ von 780,- EUR. Natürlich wissen wir, dass du nicht bloß Miete zahlst und Auto fährst. Du kannst diese Liste ganz individuell erweitern.

Finanzplan Taschenrechner Münzen Nordlicht Familie

Finanzplan Schritt 6: Rechne Nettoeinkommen minus monatliche Fixkosten

Hallo Durchblick! Damit du weißt, was noch vom „Kuchen“ für dich übrigbleibt, musst du den Gesamtbetrag deiner monatlichen Fixkosten (aus Schritt 5) von deinem Nettoeinkommen (in unserem Beispiel 1.300,- Euro, siehe Schritt 1) subtrahieren (= abziehen / minus rechnen 😉).

Dieses Geld ist „weg“. Es liegt zwar auf deinem (vielleicht separatem) Konto, aber du bedienst damit eine Verbindlichkeit (Verpflichtung gegenüber Dritten). Jemand anderes hält die Hand auf für diesen Betrag. Er gehört also genau genommen gar nicht mehr wirklich dir.

Zum Beispiel: Wir rechnen 1.300,- Euro minus 780,- Euro. Das ergibt einen Rest von 520,- Euro.

Unser Geheimtipp zu Schritt 6: Überweise den monatlichen Fixkostenbetrag direkt nach Gehalts‑/Lohneingang auf ein separates (Giro-) Konto. Lasse alle Abbuchungen oder Daueraufträge über dieses separate Konto laufen. So musst du dich quasi um fast nichts kümmern und hast alle fixen Abbuchungen per Kontoauszug sofort auf einen Blick. Unsere Bank bietet uns ein kostenfreies Unterkonto an.

Aber auch kostenfreie Extrakonten bzw. Tagesgeldkonten sind super. Das Geld ist dann von deinem „normalen“ Konto „runter“ und wird nie wieder angefasst – außer für den vorgesehenen Grund. Nur deshalb funktioniert unser Finanzplan.

Im Geheimtipp zu Schritt 4 haben wir empfohlen deine monatlichen Fixkostenbeträge nach Möglichkeit immer auf volle 5,- oder 10,- Euro aufzurunden. Auf den Monat gesehen tut das zum Teil gar nicht so sehr weh. Du legst aber nebenbei immer etwas Geld auf deinem „Fixkostenkonto“ (siehe Geheimtipp zu Schritt 6) zur Seite.

Wenn du dir ausrechnest, was am Jahresende auf dem Fixkostenkonto liegen muss, kannst du alles, was du nicht noch zur Deckung deiner Verbindlichkeiten benötigst, für dich ausgeben. Wir haben in den letzten Jahren allein durch das Aufrunden aller Monatsbeträge jedes Jahr ganz nebenbei über 1.000 Euro zurückgelegt, die wir dann wiederum für unsere Abenteuer zur Verfügung hatten.

Finanzplan Schritt 7: Mit dem „Rest“ wirtschaftest du

Unser Rest im Rechenbeispiel beträgt 520,- Euro. Du überlegst dir nun ganz individuell, wofür du das restliche Geld brauchst bzw. ausgeben möchtest. Du lässt dir die Nägel machen oder zahlst wegen Rückenproblemen professionelle Massagen bei einer Physiotherapie? Dann kalkulierst du Beträge dafür ein.

Hier kannst du ganz individuell schauen, was deinen Bedürfnissen und Wünschen entspricht. Möchtest du einfach nur mehr Reisen? Dann legst du den maximal möglichen Betrag fürs Reisen zurück. Maximal möglich bedeutet abzüglich Essen, Benzin, Kosmetikartikeln (ohne Deo oder Zahnpasta geht halt nicht…)  und was du sonst im Alltag benötigst.

Beobachte deine täglichen Ausgaben über ein paar Monate und du findest ganz schnell heraus, wie viel du Geld wirklich brauchst. Über Einsparpotentiale im Alltag und auf Reisen liest du übrigens in unseren kommenden beiden Blogartikeln.

Unser Geheimtipp zu Schritt 7: Alles, was du ansparen möchtest (z.B. für Urlaube), kannst du ebenfalls nach Lohn-/Gehaltseingang auf dein gesondertes Konto oder ein weiteres Unterkonto überweisen. Dann gibst du es nicht einfach so mit aus. Denn wir haben schon oft die Erfahrung gemacht, dass alles „leicht verfügbare“ Geld am Ende irgendwie immer auch mit ausgegeben ist 😉.

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Welche Vorteile bringt dir der Finanzplan?

Mit unserem Finanzplan hast du jeden Monat die gleichen fixen Ausgaben, statt dass du mal mehr, mal weniger aufbringen musst. Du erhältst eine gewisse Stabilität und Planungssicherheit, was du jeden Monat tatsächlich an Geld brauchst, was du zur Verfügung hast und was du ggf. zur Seite legen kannst.

Du behältst immer den Überblick über deine finanzielle Situation und lebst nicht über deine Verhältnisse hinaus. Außerdem umgehst du „Überraschungsabbuchungen“, die du nicht auf dem Schirm hattest, die du aber durchaus hättest wissen und einplanen können.

Aus unserem engeren Bekannten- und Freundeskreis wissen wir, dass dich solche „Überraschungsabbuchungen“ in manchen Monaten ganz schön blank machen können. Ganz nach dem Motto: „Ooops, die KFZ‑Versicherung geht immer im Januar vom Konto ab??? Vergessen… Jetzt ist das Konto schon Anfang Januar zur Hälfte leer.“ Das kann dir ab jetzt nicht mehr passieren!

Wir haben uns bereits zu Beginn unserer Beziehung diesen Finanzplan erarbeitet und immer wieder auf unsere jeweilige Lebenssituation angepasst – vom Studium in den Job = mehr Geld = mehr Sparen möglich, dann zweimal phasenweise Elterngeld = weniger Geld = weniger Sparen möglich und so weiter. Bis jetzt waren wir immer super froh, ein solches Tool zu haben, mit dem wir arbeiten konnten.

Das hat für uns bis dato so vieles so einfach gemacht in der Planung und wir haben immer sofort gesehen, wo es eng wird oder wo wir vielleicht sogar noch Spielraum haben.

Mehr Reisen durch Finanzplan

Durch einen Finanzplan kannst du deine Reisen viel mehr genießen

Wir hoffen, dass du für dich auch einen einfachen und effizienten Weg findest, um deine Finanzen im Blick zu behalten. Wir freuen uns natürlich, wenn die Art und Weise, wie wir unsere Finanzen regeln, dir eine kleine Anregung bietet.

Solltest du Fragen haben zu unserm Finanzplan – dem Aufbau oder wie er im weiteren Detail funktioniert, dann schreib uns gerne eine Nachricht auf Instagram @dienordlichtfamilie. Wir freuen uns von dir zu hören :-)

Hast du schon einen Finanzplan und wenn ja, wie gehst du vor? Hast du noch weitere Tipps? Oder Fragen? Hinterlasse auch gerne einen Kommentar!