Wie das Reisen mich verändert hat

…oder wie ich meine mich verändert zu haben.

Bereits in den 3 Jahren vor meiner Reise – nach einem persönlichen Tiefpunkt – habe ich mich viel mit mir selbst beschäftigt, mit den Themen Mindset, Dankbarkeit, Persönlichkeitsentwicklung und dachte damals, ich bin schon ganz gut bei mir angekommen.

Und dann kam der Abschluss meines Studiums und die Entscheidung zur Reise nach Australien. Mit Work & Travel Visum und ohne Rückflugticket. Ohne Plan. Meine erste Reise alleine, meine erste Reise nur mit Rucksack.

Heute bin ich seit knapp 1,5 Jahren wieder zurück. Und bereits in den ersten Wochen als ich zurück war wurde mir bewusst, wie sehr ich mich tatsächlich verändert hatte.

Wie das Reisen mich verändert hat: Ich habe Geduld gelernt

Ich bin ehrlich: Ich bin nach wie vor nicht Miss Zen höchstpersönlich. Dennoch habe ich gelernt, geduldig zu sein. Mit mir selbst, mit meinen Mitmenschen und überhaupt mit dem ganzen Leben.

Ich habe gelernt einfach passieren zu lassen was passiert, ohne alles im Voraus wissen zu müssen. Denn gerade beim Reisen passiert soviel Unvorhergesehenes, wie kleinere Probleme, tiefere Sinnkrisen oder wundervolle Begegnungen. Aber: du musst geduldig sein und diesen Sachen auch den Raum geben, passieren zu dürfen.

Außerdem habe ich gelernt, dass die Uhren in manchen Ländern, Kulturen oder auch bei einzelnen Mitmenschen einfach anders gehen. In Deutschland sind wir absolute Pünktlichkeit gewohnt und bestehen auf diese. Das gibt es so eigentlich fast nirgends sonst. Und deshalb war es wichtig, zu lernen, einfach geduldig zu sein. Gegebenenfalls Wartepausen in irgendeiner Art und Weise für mich zu nutzen (z.B. um zu lesen oder meine Umgebung zu beobachten).

Wie das Reisen mich verändert hat: Ich habe gelernt, mir selbst zu vertrauen

Ich bin alleine gereist, das erste Mal. Ich war am anderen Ende der Welt und war auf mich selber gestellt. Ich hatte niemanden, der mir sagen konnte, was ich tun soll. Da war auch niemand, den ich einfach um Rat fragen konnte, der bei Problemen diese mit mir hätte teilen können. Also musste ich anfangen, mir selbst zu vertrauen. Meiner Intuition, meinem rationalen Urteilsvermögen. Auch ein bisschen meinem Glück und dem Universum.

Und ich habe gelernt, dass mein Bauchgefühl in den allermeisten Fällen recht hat. Wenn sich etwas nicht richtig angefühlt hat, hat es sich auch im Nachhinein so rausgestellt. Wenn sich etwas absolut toll angefühlt hat und in mir eine innerliche Wärme hervorgerufen hat, war es meistens auch das Richtige in der Situation.

Am Ende ist mir nichts Schlimmes widerfahren, im Gegenteil: alles in allem war die Reise in der Hinsicht „zu bewältigende ‚richtige‘ Probleme“ geradezu langweilig. Und das alles nur, weil ich es geschafft habe, mir selbst zu vertrauen. Denn nur ich weiß, was das Beste für mich ist.

Letztendlich muss ich auf mein eigenes Bauchgefühl hören

Wie das Reisen mich verändert hat: Ich bin offener geworden

Seit ich mich zurück erinnern kann, kämpfe ich mit meiner Schüchternheit. Wie gerne wäre ich manchmal jemand, der in einen Raum kommt und sofort alle für sich einnimmt. Stattdessen bin ich eine Frau, die in einen Raum kommt und erstmal hofft, dass niemand herschaut. Die erstmal die Situation in Ruhe aufsaugen, geradezu scannen muss um herauszufinden, wem sie sich öffnen kann, wo sie am meisten sie selbst sein darf.

Aber durch die ständige Begegnung mit Menschen sowie tägliches Kennenlernen der Mitreisenden, blieb mir nichts anderes übrig, als mich etwas schneller zu öffnen. Anders wäre meine Reise eine ziemlich einsame gewesen. Nur so konnte ich mich mit anderen verbinden, Kontakte knüpfen und sogar Freundschaften schließen.

Wie das Reisen mich verändert hat: Der Gedanke an Minimalismus

Als ich von meiner Reise wiedergekommen bin und in meinem alten Zimmer saß, hat mich das viele „Zeug“, dass sich in meiner Vergangenheit angesammelt hat, ziemlich überfordert. Nach 2 Monaten habe ich mir eine eigene Wohnung genommen und in dem Zug ziemlich viel aussortiert, aber auch viel Neues gekauft, um die Wohnung einzurichten. Heute kaufe ich nur noch, was ich wirklich brauche. Und Bücher und Pflanzen. 13 Monate habe ich nur aus dem Rucksack gelebt, und wünschte manchmal, das würde auch im Alltag genügen.

Sinnlosen Konsum gibt es also bei mir nur noch selten. Ich erwische mich auch oft, wie ich im Kopf überschlage „das sind 3 Nächte in Thailand!“, wenn ich 15 Euro für ein Essen ausgeben soll. Klar gönne ich mir ab und zu was, unternehme auch viel, denn ich will auch im Alltag mein Leben  genießen. Aber ich gebe mein Geld definitiv lieber für Erlebnisse und Erinnerungen als für Gegenstände aus.

Zwölf Monate hat alles was ich zum Leben brauchte in diesen Van gepasst

Wie das Reisen mich verändert hat: Nachhaltigkeit und die Umwelt sind ziemlich hoch in meiner Prioritätenliste

Auf meinem Blog soll es um das Reisen, genauer das Reisen trotz Vollzeitjob, gehen. Reisen trotz Vollzeitjob bedeutet oft Kurzstreckenflüge um Zeit zu sparen, Autoabgase für den Kurztrip in die Natur, Essen und Trinken To Go aufgrund schlechter Planung oder Faulheit usw. Dennoch ist mir seit meiner langen Zeit im Ausland Nachhaltigkeit und die Umwelt sehr wichtig.

Ich war nie eine, die oft und gerne shoppen geht, aber jetzt mache ich es noch bewusster, kaufe nur was ich wirklich brauche. Ich achte viel mehr auf mein Essen und die Herkunft meines Essens. Ich verzichte 90% der Zeit auf Fleisch, da die tierische Lebensmittelindustrie mit die schlimmsten Umweltschäden hervorruft. Ich verzichte auf Plastik wo es geht und suche aktiv nach Alternativen.

Der Transportsektor ist aber tatsächlich meine größte Sünde, da ich eben so gerne Reise. Jetzt wo es wieder wärmer wird soll daher endlich wieder das Fahrrad fahrtüchtig gemacht werden, eine neue Bahncard habe ich mir auch bestellt und für einen Kurztrip Ende April mal wieder meine Flixbus-App benutzt. (Unbezahlte Werbung an dieser Stelle.)

Durch das Reisen ist mir bewusst geworden, wie wertvoll unser Planet ist und wie wunderwunderschön die Natur sein kann. Und wie achtlos wir mit ihr umgehen. Weil ich die Welt, unseren Planeten, liebe, wurde mir die Umwelt immer wichtiger.

Vor einem Jahr bin ich hier bei den Menschen in meiner näheren Umgebung auf großen Widerstand und genervte Blicke gestoßen. Ich hab es aber für mich weiter durchgezogen, immer neue Alternativen gesucht, und inzwischen gibt es einen Wandel in meinem Umfeld der mich total freut.

Ich glaube, mein neues Umweltbewusstsein ist auch die Veränderung, die am meisten im Außen sichtbar ist und meinen Mitmenschen am meisten auffällt.

Wegen solcher Ausblicke habe ich angefangen, mein Verhalten gegenüber unserer Erde zu überdenken

Bin ich dann immernoch ich?

Ich bin immernoch ich, aber in – nach meiner Ansicht – einer besseren Version. Den Blick mehr auf dem Wesentlichen und dem was wirklich zählt. Ich habe mich selbst ein Stückchen besser kennengelernt, habe entdeckt wo meine Grenzen sind und wie weit ich eigentlich gehen kann.

Diese Reise zu mir ist noch nicht beendet. Doch mit jeder Reise, die noch folgen wird, werde ich noch ein bisschen mehr zu meinem wahren Ich. Da bin ich mir ganz sicher.

Wie hat das Reisen dich verändert? Was hast du auf Reisen gelernt? Oder bist du immernoch dieselbe Person? Hinterlasse gerne einen Kommentar!

⚓ Dieser Post wurde von der Blogparade „Reisen verändert“ von ferngeweht inspiriert und ist ein Teil davon.

5 Kommentare

  • Sabine von Ferngeweht

    Ein paar spannende Veränderungen hast Du da durchgemacht – danke für den Einblick und für den Beitrag zu meiner Blogparade! Schreibst Du gerade noch einen kurzen Kommentar auf meinen Blog, bitte, damit der Eintrag bei der Zusammenfassung nicht untergeht? Danke!

  • Doris

    Meine Liebe Jenny, das hast du wunderbar treffend formuliert. Ich spüre gerade auf meiner „Reise“ ganz ähnliches in mir. Auch wenn ich nicht so lange unterwegs sein werde, bin ich gespannt, welche Veränderungen du an mir bemerken wirst 😉

    • Jenny

      Es muss auch keine lange Reise sein, ich denke auch durch jede kleine Reise kann man etwas lernen.
      Und du auf deinem Weg durch Italien ganz besonders viel, egal „wie lange“ 🙂
      Ich freue mich wenn du wieder daheim bist <3 Aber genieße deine Zeit!

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